Was kostet eine leere Saison? Die Rechnung für Züchter
Ein Beitrag von Bojesen & Petersen Biotech. Wissenschaftliche Grundlage: Prof. Anders Miki Bojesen und Dr. Morten Rønn Petersen, Universität Kopenhagen.
Eine Stute, die nicht tragend wird, kostet mehr als die Rechnungen, die dafür ins Haus kommen. Sie kostet ein Jahr Haltung ohne Fohlen, ein Fohlen, das ein Jahr später kommt oder gar nicht, und mit jedem weiteren Zyklus neues Deckgeld, neuen Samen, neue Tierarztbesuche. Dieser Beitrag rechnet das ehrlich durch: was eine leere Saison kostet, was es kostet, die Ursache zu finden, und was die Zahlen aus der Praxis dazu sagen. Ohne Versprechen, mit Quellen.
Was kostet ein Jahr ohne Fohlen?
Die Rechnung sieht in jedem Betrieb anders aus, deshalb steht hier keine fertige Summe, sondern die Posten, die hineingehören. Tragen Sie Ihre eigenen Zahlen ein:
| Posten | Wovon er abhängt | Ihre Zahl | |---|---|---| | Haltung der Stute, 12 Monate | Weide oder Box, Futter, Hufschmied, Wurmkuren, Impfungen | | | Deckgeld oder Samen, pro Versuch | Hengst, Frisch- oder Tiefgefriersamen, Versand | | | Tierarzt pro Zyklus | Follikelkontrollen, Besamung, Trächtigkeitsuntersuchung | | | Transport und Aufstallung | Wenn die Stute zum Hengst oder in die Klinik muss | | | Anzahl der Versuche in der Saison | Meist zwei bis vier Zyklen, bevor die Saison vorbei ist | | | Das Fohlen, das fehlt | Verkaufswert oder Zuchtwert, ein Jahr später oder gar nicht | |
Zwei Dinge fallen auf, wenn man das ausfüllt. Erstens: Die Tierarztkosten sind selten der größte Posten. Die Haltung und das fehlende Fohlen sind es. Zweitens: Jeder weitere Zyklus ohne Diagnose kostet dasselbe wie der vorherige, nur mit einer Saison weniger übrig.
Warum bleibt die Ursache so oft unentdeckt?
Weil der Standard-Tupfer die häufigste Ursache oft nicht findet. Die Gebärmutterentzündung ohne Symptome, die subklinische Endometritis, ist der häufigste Grund, warum eine Stute leer bleibt, und die Tupferkultur fand im direkten Vergleich nur 34 % der Gebärmutterinfektionen, die Biopsiekultur 82 % (Nielsen, Theriogenology 2005). Ein sauberer Tupfer ist für die Rechnung deshalb tückisch: Er kostet wenig, beruhigt, und lässt die Stute in den nächsten teuren Zyklus gehen, ohne dass sich etwas geändert hat. Mehr dazu im Beitrag Tupferprobe bei der Stute.
Was kostet es, die Ursache zu finden?
Auch hier unterscheiden sich die Preise nach Praxis, Labor und Land. Die Posten sind aber überschaubar:
- Tupfer mit Kultur und Zytologie. Die Probenahme durch den Tierarzt, meist zusammen mit einer Ultraschalluntersuchung, die Laborkultur und bei positivem Befund das Antibiogramm.
- Aktivierungskultur. Wenn der Tupfer sauber ist und die Stute trotzdem leer bleibt. Eine Ampulle bActivate kostet 229 € beim Hersteller (Stand September 2026); Tierärzte beziehen es über den Fachhandel. Dazu kommen die Tierarztleistungen: das Einbringen des Mediums, der Tupfer 48 Stunden später und die Kultur mit Antibiogramm. bActivate ist ein diagnostisches Nährmedium, kein Medikament; es macht ruhende Bakterien in der Kultur sichtbar.
- Behandlung, wenn etwas gefunden wird. Bei Streptokokken, dem Erreger hinter 79,7 % der positiven Kulturen in einer deutschen Auswertung von 28.887 Proben, ist Penicillin in 99,5 % der Fälle wirksam (Köhne et al., 2024). Das ist ein Standardantibiotikum nach Antibiogramm, kein Reservemittel.
Rechnen Sie das gegen einen einzigen weiteren Zyklus mit Deckgeld, Samen und Tierarzt. In den meisten Betrieben kostet die Abklärung weniger als der nächste Versuch ins Blaue, und sie ist das Einzige auf der Liste, das die Ausgangslage verändert.
Was sagen die Zahlen aus der Praxis?
Am Hagyard Equine Medical Institute in Kentucky wurden 64 Vollblut-Problemstuten untersucht, die mindestens drei Zyklen leer geblieben waren, also Stuten, bei denen die Rechnung oben schon dreimal geschrieben worden war. 47 % (30 von 64) waren nach Aktivierung kulturpositiv, 83 % (53 von 64) wurden nach gezielter Behandlung und Bedeckung tragend, und 70 % der Stuten mit bekanntem Ausgang (32 von 46) brachten ein lebendes Fohlen. Die Studie hatte keine Placebogruppe; die Zahlen beschreiben den gesamten Ablauf aus Diagnose und Behandlung, nicht die Wirkung eines einzelnen Mittels (Petersen & Bojesen, Clinical Theriogenology 2014). Zum Vergleich: Für Problemstuten lag die erwartete Abfohlrate historisch bei 15 bis 50 %, in der Gesamtpopulation bei 80 bis 85 % (Bosh et al., 2009). Was die Studie zeigt und was nicht, steht im Beitrag 64 Problemstuten in Kentucky.
Für die Rechnung heißt das: Bei etwa jeder zweiten Problemstute wurde nach Aktivierung eine Infektion gefunden, die der Standardweg nicht gefunden hatte. Bei der anderen Hälfte hat die Abklärung eine Ursache ausgeschlossen, und die Suche konnte woanders weitergehen, ohne noch einen Zyklus zu verlieren.
Wann lohnt sich die Abklärung?
Nicht nach dem ersten leeren Zyklus, wenn Timing oder Samen die naheliegende Erklärung sind. Aber spätestens dann, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Zwei oder mehr gut getimte Bedeckungen mit bewährtem Samen, und die Stute ist leer.
- Trächtigkeit festgestellt und vor dem 40. Tag verloren.
- Flüssigkeit in der Gebärmutter im Ultraschall.
- Sauberer Tupfer, und die Stute wird trotzdem nicht tragend.
- Zehn Jahre oder älter, oder mehrere Fohlen.
Wer diese Punkte im Frühjahr abklärt, hat die ganze Saison für die Bedeckung. Wer bis zum Herbst probiert, hat die Rechnung oben bezahlt und beginnt im nächsten Jahr an derselben Stelle. Woran man eine Problemstute erkennt und in welcher Reihenfolge der Tierarzt vorgeht, steht im Praxisleitfaden für die Problemstute.
Was die Rechnung nicht zeigt
Drei Dinge lassen sich nicht in die Tabelle eintragen und wiegen trotzdem: ein Fohlen ein Jahr früher statt ein Jahr später; eine Stute, die nicht mit jeder unbehandelten Saison chronischer wird, denn bei chronisch infizierten Stuten sitzen die Bakterien 300 bis 500 Mikrometer tief im Gewebe und werden mit der Zeit schwerer zu erreichen; und weniger Antibiotika ins Blaue, weil nach Antibiogramm behandelt wird, nicht auf Verdacht.
Häufige Fragen
Ist bActivate teuer? Eine Ampulle kostet 229 € beim Hersteller (Stand September 2026), plus Tierarztleistungen. Vergleichen Sie das mit Ihrer eigenen Zahl für einen weiteren Zyklus mit Deckgeld, Samen und Tierarzt.
Muss ich bActivate selbst kaufen? Nein. Ihr Tierarzt bestellt es über den Fachhandel und bringt es ein. Was er dafür braucht, steht auf der Seite für Tierärzte.
Was, wenn die Aktivierungskultur negativ ist? Dann ist eine bakterielle Gebärmutterinfektion unwahrscheinlich, und der Tierarzt sucht woanders weiter: Zyklus, Samen, Anatomie, Hormone. Das Geld hat eine Ursache ausgeschlossen, bevor der nächste Zyklus bezahlt wurde.
Garantiert die Abklärung ein Fohlen? Nein. Die Zahlen aus Kentucky stammen aus einer Feldstudie ohne Placebogruppe. Sie zeigen, was bei 64 Problemstuten nach Diagnose und gezielter Behandlung geschah, nicht, was bei Ihrer Stute geschehen wird.
Quellen
- Nielsen JM. Endometritis in the mare: A diagnostic study comparing cultures from swab and biopsy. Theriogenology 2005;64(3):510-518. doi.org/10.1016/j.theriogenology.2005.05.034
- Petersen MR, Skive B, Christoffersen M, Lu K, Nielsen JM, Troedsson MHT, Bojesen AM. Activation of persistent Streptococcus equi subspecies zooepidemicus in mares with subclinical endometritis. Veterinary Microbiology 2015;179(1-2):119-125. PMID 26123371. doi.org/10.1016/j.vetmic.2015.06.006
- Köhne M, Hegger A, Tönissen A, Heusinger A, Hader C, Görgens A, Sieme H. Frequency of potentially pathogenic bacterial and fungal isolates among 28,887 endometrial samples from mares, with an emphasis on multi-drug resistant bacteria in Germany (2018-2022). J Equine Vet Sci 2024;133:105008. PMID 38237703. doi.org/10.1016/j.jevs.2024.105008
- Petersen MR, Bojesen AM. Field study at Hagyard Equine Medical Institute, Kentucky: 64 problem mares. Clinical Theriogenology 2014;6(3):313-314 (congress abstract, no placebo group). cdn.ymaws.com/www.therio.org/resource/collection/DB0508BA-DE64-46F0-BE6B-2CE2A338D52C/2014_v3_027.pdf
- Bosh KA, Powell D, Shelton B, Zent WW. Reproductive performance measures among Thoroughbred mares in central Kentucky, during the 2004 mating season. Equine Veterinary Journal 2009;41(9):883-888. doi.org/10.2746/042516409X456068
- Bojesen & Petersen Biotech ApS, Herstellershop: bActivate, 1 Ampulle, 229 € (Stand September 2026). bactivate.eu/shop