Tupferprobe bei der Stute: Was sie zeigt, was sie übersieht, und was sie kostet
Ein Beitrag von Bojesen & Petersen Biotech. Wissenschaftliche Grundlage: Prof. Anders Miki Bojesen und Dr. Morten Rønn Petersen, Universität Kopenhagen.
Vor fast jeder Bedeckung steht die Tupferprobe. Ihr Tierarzt führt einen sterilen Tupfer in die Gebärmutter der Stute ein, streicht über die Schleimhaut und schickt die Probe ins Labor. Ein paar Tage später kommt der Befund: sauber oder nicht sauber. Für viele Züchter ist das die wichtigste Zahl der Saison.
Genau deshalb lohnt es sich zu wissen, was eine Tupferprobe bei der Stute wirklich leisten kann. Sie ist ein gutes Werkzeug, aber sie hat eine Grenze, die in der Praxis oft übersehen wird: Sie erreicht nur die Oberfläche der Gebärmutterschleimhaut. Was tiefer sitzt, sieht sie nicht.
Was ist eine Tupferprobe bei der Stute?
Bei der Tupferprobe (auch Uterustupfer oder Zervixtupfer) wird eine Probe von der Oberfläche der Gebärmutterschleimhaut genommen und im Labor auf Bakterien angezüchtet. Zusätzlich lässt sich aus derselben Probe oft ein Zytologie-Ausstrich anfertigen, der Entzündungszellen zeigt. Ziel ist es, eine bakterielle Gebärmutterentzündung (Endometritis) vor der Bedeckung zu finden, damit sie vorher behandelt werden kann.
Nicht zu verwechseln ist damit die CEM-Tupferprobe. Sie sucht gezielt nach dem Erreger der ansteckenden Gebärmutterentzündung (Taylorella equigenitalis) und wird aus seuchenrechtlichen Gründen verlangt, zum Beispiel vor dem Deckeinsatz oder für den Export. Ein negativer CEM-Tupfer sagt nichts darüber aus, ob eine Stute eine ruhende Streptokokken-Infektion trägt.
Tupferprobe positiv: Was heißt das?
Ein positiver Befund bedeutet, dass das Labor Bakterien angezüchtet hat, meist zusammen mit Entzündungszellen in der Zytologie. Der häufigste Befund bei der Stute ist Streptococcus equi subsp. zooepidemicus, oft kurz Strep zoo genannt, gefolgt von E. coli. Eine große deutsche Auswertung von 28.887 Endometriumproben fand beta-hämolysierende Streptokokken in 79,7 % der positiven Kulturen (Köhne et al., Journal of Equine Veterinary Science 2024).
Die gute Nachricht: Ein positiver Tupfer ist ein klarer Befund. Ihr Tierarzt kann einen Resistenztest anfordern und die Stute gezielt behandeln, bevor sie bedeckt wird. Das ist der Fall, für den die Tupferprobe gemacht wurde.
Tupferprobe negativ, Stute trotzdem nicht tragend?
Das ist der Fall, der Züchter zur Verzweiflung bringt: Der Tupfer ist sauber, die Stute ist gesund, der Hengst ist fruchtbar, und trotzdem nimmt die Stute nicht auf. Oft Saison für Saison.
Der Grund liegt in der Reichweite der Probe. Ein Tupfer streicht über die Oberfläche. Die Bakterien, um die es bei Problemstuten geht, sitzen aber nicht an der Oberfläche. Bei chronisch infizierten Stuten wurde Streptococcus zooepidemicus in Herden 300 bis 500 Mikrometer unter dem Epithel nachgewiesen, und nicht auf der Oberfläche, die der Tupfer erreicht (Petersen et al., Clinical Theriogenology 2009). Dort kann es in einen Ruhezustand übergehen, in dem es sich nicht vermehrt und in der Kultur nicht wächst (Petersen et al., Veterinary Microbiology 2015). Der Befund lautet dann: sauber.
Wie groß diese Lücke ist, hat der dänische Reproduktionstierarzt Jesper Nielsen gemessen. Er verglich bei denselben Stuten die Kultur aus dem Tupfer mit der Kultur aus einer Biopsie. Der Standard-Tupfer fand nur 34 % der Gebärmutterinfektionen, die Biopsiekultur 82 % (Nielsen, Theriogenology 2005). Anders gesagt: Von drei infizierten Stuten bekommen zwei einen sauberen Tupferbefund.
Ein negativer Tupfer bei einer Stute, die wiederholt nicht tragend wird, ist deshalb kein Freispruch. Er ist ein Hinweis darauf, dass die Standardmethode an ihre Grenze gekommen ist.
Was kostet eine Tupferprobe bei der Stute?
Die Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen: der Probenahme durch den Tierarzt (meist zusammen mit einer Ultraschalluntersuchung), der Laborkultur und, bei positivem Befund, dem Resistenztest. Die Preise unterscheiden sich je nach Praxis und Labor, fragen Sie deshalb nach dem Gesamtpreis inklusive Laborkosten.
Wichtiger als der Preis der Probe ist, was ein verlorener Zyklus kostet: Deckgeld oder Samen, Tierarztbesuche, Transport, Aufstallung, und im schlimmsten Fall ein ganzes Zuchtjahr. Bei einer Problemstute ist eine Untersuchung, die die Infektion tatsächlich findet, fast immer die günstigere Entscheidung.
Wann reicht die Tupferprobe nicht, und was dann?
Bei einer jungen Stute ohne Vorgeschichte reicht die Tupferprobe in der Regel aus. Anders sieht es aus, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Die Stute ist 10 Jahre oder älter
- Sie hat 3 oder mehr Fohlen gehabt
- Sie hatte früher eine Gebärmutterentzündung oder einen Abort
- Sie wurde mehrmals gedeckt oder besamt und nicht tragend, obwohl der Tupfer sauber war
- Antibiotika haben nicht geholfen
- Im Ultraschall ist Flüssigkeit in der Gebärmutter zu sehen
Dann sollte Ihr Tierarzt tiefer suchen. Dafür gibt es zwei Wege, die sich ergänzen: eine Spülprobe oder Biopsie statt des Tupfers, und die Aktivierung ruhender Bakterien vor der Kultur.
Bei der Aktivierung bringt der Tierarzt ein diagnostisches Nährmedium (bActivate) in die Gebärmutter ein. Es weckt die ruhenden Streptokokken aus ihrem Ruhezustand, sodass sie sich wieder vermehren. 48 Stunden später wird eine zweite Kulturprobe genommen, und jetzt wachsen die Bakterien im Labor. Dass sich ruhende Streptokokken so wecken und nachweisen lassen, wurde 2015 an der Universität Kopenhagen gezeigt (Petersen et al., Veterinary Microbiology 2015). bActivate ist dabei kein Medikament: Es macht die Infektion sichtbar, behandelt wird danach ganz normal, gezielt nach Resistenztest.
In einer Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute in Kentucky wurden 64 Problemstuten so untersucht, behandelt und bedeckt. 83 % wurden tragend. Die Studie hatte keine Placebogruppe, die Zahl beschreibt also den ganzen Ablauf aus Diagnose und tierärztlicher Behandlung (Clinical Theriogenology 2014).
Ist die zweite Kultur negativ, ist eine ruhende Streptokokken-Infektion ausgeschlossen, und Ihr Tierarzt kann andere Ursachen abklären. Auch das ist ein Ergebnis, und es spart Zeit.
Häufige Fragen zur Tupferprobe
Wie lange dauert eine Tupferprobe bei der Stute? Die Probenahme selbst dauert wenige Minuten. Das Kulturergebnis liegt in der Regel nach zwei bis vier Tagen vor, ein Resistenztest braucht ein bis zwei Tage länger.
Ist ein sauberer Tupfer eine Garantie? Nein. Der Standard-Tupfer findet nur etwa jede dritte Gebärmutterinfektion (Nielsen 2005). Bei einer Stute, die wiederholt nicht tragend wird, sollte ein sauberer Tupfer Anlass sein, tiefer zu suchen.
Was ist der Unterschied zwischen Tupferprobe und Biopsie? Der Tupfer nimmt Bakterien von der Oberfläche der Schleimhaut. Die Biopsie entnimmt ein kleines Stück Gewebe, in dem auch tiefer sitzende Bakterien und Entzündungszeichen erfasst werden. In der Vergleichsstudie fand die Biopsiekultur 82 % der Infektionen, der Tupfer 34 %.
Kann ich die Aktivierung selbst durchführen? Nein. Die Aktivierung, die Probenahme und die Behandlung gehören in die Hand Ihres Tierarztes. Auf unserer Seite für Tierärzte stehen Protokoll, Evidenz und Bezugsquelle, die Sie Ihrem Tierarzt weiterleiten können.
Quellen
- Nielsen JM. Endometritis in the mare: A diagnostic study comparing cultures from swab and biopsy. Theriogenology 2005;64(3):510-518. doi.org/10.1016/j.theriogenology.2005.05.034
- Petersen MR, Nielsen JM, Lehn-Jensen H, Bojesen AM. Streptococcus equi subspecies zooepidemicus resides deep in the chronically infected endometrium of mares. Clinical Theriogenology 2009;1(1):393-409. clinicaltheriogenology.net
- Petersen MR, Skive B, Christoffersen M, Lu K, Nielsen JM, Troedsson MHT, Bojesen AM. Activation of persistent Streptococcus equi subspecies zooepidemicus in mares with subclinical endometritis. Veterinary Microbiology 2015;179(1-2):119-125. doi.org/10.1016/j.vetmic.2015.06.006
- Petersen MR, Bojesen AM. Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute, 64 Problemstuten. Clinical Theriogenology 2014;6(3):313-314 (Konferenzbeitrag, keine Placebogruppe). therio.org (PDF)
- Köhne M et al. Bakteriologische Befunde aus 28.887 Endometriumproben, Deutschland 2018 bis 2022. Journal of Equine Veterinary Science 2024;133:105008. doi.org/10.1016/j.jevs.2024.105008
Mehr zum Erreger: Streptococcus zooepidemicus beim Pferd. Alle Studien nach Evidenzniveau: Studien.