Problemstute: Woran man sie erkennt und wie man sie abklärt
Ein Beitrag von Bojesen & Petersen Biotech. Wissenschaftliche Grundlage: Prof. Anders Miki Bojesen und Dr. Morten Rønn Petersen, Universität Kopenhagen.
Eine Problemstute ist keine unfruchtbare Stute. Sie ist eine Stute, bei der die übliche Abklärung nichts findet und die trotzdem nicht aufnimmt. In den meisten Fällen steckt dahinter etwas, das die Standarduntersuchung nicht erreicht: eine ruhende Gebärmutterinfektion tief in der Schleimhaut. Dieser Beitrag erklärt, woran man eine Problemstute erkennt, warum der Tupfer sie so oft freispricht, und wie die Abklärung aussieht, die weiter reicht.
Was ist eine Problemstute?
Von einer Problemstute spricht man, wenn eine Stute nach mehreren korrekt getimten Zyklen nicht tragend wird oder die Trächtigkeit wiederholt früh verliert, obwohl Hengst, Samen und Timing in Ordnung waren. Sechs Merkmale erhöhen die Wahrscheinlichkeit deutlich:
- 10 Jahre oder älter
- 3 oder mehr Fohlen
- Frühere Gebärmutterentzündung oder Abort
- „Sauberer" Tupfer oder saubere Kultur, die Stute wird trotzdem nicht tragend
- Antibiotika haben nicht geholfen, oder nur bis zur nächsten Saison
- Flüssigkeit in der Gebärmutter im Ultraschall
Schon ein Punkt macht eine ruhende Infektion wahrscheinlich. Zwei oder mehr sind ein klarer Grund, tiefer zu suchen, statt noch einen Zyklus zu verbrauchen.
Welche Ursache wird am häufigsten übersehen?
Eine Gebärmutterentzündung (Endometritis) durch Streptococcus equi subspecies zooepidemicus, den mit Abstand häufigsten Erreger. In der größten deutschen Auswertung, 28.887 Endometriumproben aus den Jahren 2018 bis 2022, machten beta-hämolysierende Streptokokken 79,7 % der positiven Kulturen aus. 99,5 % davon waren penicillinempfindlich, multiresistente Keime waren mit 3,1 % selten (Köhne et al., Journal of Equine Veterinary Science 2024). Die Infektion ist also fast immer gut behandelbar. Das Problem ist nicht die Behandlung, sondern der Nachweis.
Denn bei Problemstuten sitzt der Erreger selten dort, wo der Tupfer hinkommt. Bei chronisch infizierten Stuten wurde Streptococcus zooepidemicus in Herden 300 bis 500 Mikrometer unter dem Epithel nachgewiesen (Petersen, Nielsen, Lehn-Jensen, Bojesen, Clinical Theriogenology 2009). Der Erreger kann in Epithelzellen eindringen und dort überleben (Skive et al., Frontiers in Cellular and Infection Microbiology 2017), und er kann in einen ruhenden Zustand wechseln, in dem er auf einer Standardkultur nicht wächst (Petersen et al., Veterinary Microbiology 2015). Die Stute wirkt gesund, die Kultur ist negativ, und die Infektion ist trotzdem da.
Warum spricht der Tupfer die Stute so oft frei?
Weil der Tupfer nur die Oberfläche der Schleimhaut erfasst. In der Vergleichsstudie von Nielsen (Theriogenology 2005) fand die Tupferkultur die Infektion bei 34 % der Stuten, die Biopsiekultur bei 82 % derselben Stuten. Zwei von drei Infektionen bleiben mit dem Tupfer allein unentdeckt. Was der Tupfer zeigt und was nicht, steht ausführlich im Beitrag Tupferprobe bei der Stute: Was sie zeigt, was sie übersieht, und was sie kostet.
Wie klärt der Tierarzt eine Problemstute ab?
In drei Schritten, vom Einfachen zum Aufwendigen.
1. Risikoprofil und Vorgeschichte
Alter, Anzahl der Fohlen, frühere Entzündungen, Aborte, Tupferergebnisse, Behandlungen und Ultraschallbefunde der letzten Saisons. Eine Stute mit zwei oder mehr der sechs Merkmale oben gehört in die vertiefte Abklärung, nicht in den nächsten Zyklus.
2. Ultraschall und Gebärmutterfunktion
Flüssigkeit in der Gebärmutter, Zysten, die Fähigkeit der Gebärmutter, sich nach der Bedeckung selbst zu reinigen (uterine Clearance), und die Beschaffenheit von Scham und Damm. Eine eingeschränkte Clearance begünstigt eine chronische Endometritis. Eine Biopsie zeigt außerdem, wie gut die Schleimhaut eine Trächtigkeit noch tragen kann.
3. Tiefer suchen, wenn der Tupfer sauber ist
Drei Wege reichen weiter als der Tupfer: eine Low-Volume-Lavage, eine Biopsie mit Kultur, oder die Aktivierung der ruhenden Bakterien vor der Kultur. Beim dritten Weg bringt der Tierarzt ein diagnostisches Nährmedium (bActivate) in die Gebärmutter ein, das ruhende Streptokokken wieder in einen wachsenden Zustand versetzt. 48 Stunden später wird eine zweite Kultur angelegt. In der Studie, die dem Verfahren zugrunde liegt, war Strep zoo nach Aktivierung bei 64 % der Stuten nachweisbar, ohne Aktivierung bei 8 % (Petersen et al. 2015). Ist die Kultur positiv, weiß der Tierarzt, womit er es zu tun hat. Ist sie negativ, ist eine ruhende Streptokokkeninfektion ausgeschlossen, und die Suche geht bei den anderen Ursachen weiter.
bActivate ist kein Medikament und keine Behandlung. Es macht die Infektion sichtbar.
Wie wird nach dem Nachweis behandelt?
Das entscheidet Ihr Tierarzt anhand von Kultur und Resistenztest. Bei Streptokokken ist Penicillin fast immer wirksam (Köhne et al. 2024), und Spülungen und die Unterstützung der Gebärmutterreinigung gehören zum üblichen Repertoire der Stutenpraxis. Behandelt wird gezielt und im vollen Umfang, dann wird die Stute im nächsten Zyklus gedeckt.
Was dabei herauskommen kann, zeigt die Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute in Kentucky: 64 Problemstuten wurden so untersucht, behandelt und gedeckt, 83 % wurden tragend, 70 % der Stuten mit bekanntem Ausgang brachten ein lebendes Fohlen. Die Studie hatte keine Placebogruppe, die Zahlen beschreiben also das gesamte Vorgehen (Clinical Theriogenology 2014). Mehr dazu im Beitrag 64 Problemstuten in Kentucky: Was die Hagyard-Feldstudie zeigt.
Was Züchter selbst tun können
- Führen Sie die Vorgeschichte schriftlich: Zyklen, Bedeckungen, Tupferbefunde, Behandlungen, Ultraschall. Das ist die halbe Abklärung.
- Bestehen Sie nach jeder Bedeckung auf einem Ultraschall am Tag 14 bis 16.
- Fragen Sie nach zwei erfolglosen Zyklen, oder sofort bei zwei der sechs Merkmale, nach Lavage, Biopsie oder Aktivierung vor der Kultur.
- Geben Sie Ihrem Tierarzt die Seite für Tierärzte weiter. Dort stehen Protokoll, Evidenz und Bezugsquelle.
Häufige Fragen
Ab wann gilt eine Stute als Problemstute? Wenn sie nach mehreren korrekt getimten Zyklen nicht tragend wird oder wiederholt früh resorbiert, obwohl Hengst und Samen in Ordnung sind. Die sechs Merkmale oben, vor allem Alter, Fohlenzahl, frühere Entzündung und Flüssigkeit im Ultraschall, machen es wahrscheinlicher.
Kann eine Problemstute wieder normal tragend werden? In den meisten Fällen ja, sobald die eigentliche Ursache gefunden und behandelt ist. In der Hagyard-Feldstudie wurden 83 % von 64 Problemstuten tragend, ohne Placebogruppe, also als Ergebnis des gesamten Vorgehens.
Reicht es, die Stute einfach mit Antibiotika zu behandeln? Nein. Ohne Nachweis weiß niemand, ob und womit behandelt werden muss, und ruhende Bakterien werden von Antibiotika kaum erreicht. Erst finden, dann gezielt behandeln.
Ist bActivate eine Behandlung? Nein. bActivate ist ein diagnostisches Nährmedium, das ruhende Bakterien weckt, damit sie in einer normalen Kultur wachsen. Behandelt wird danach vom Tierarzt nach Resistenztest.
Quellen
- Köhne M et al. Frequency of potentially pathogenic bacterial and fungal isolates among 28,887 endometrial samples from mares. Journal of Equine Veterinary Science 2024;133:105008. doi.org/10.1016/j.jevs.2024.105008
- Nielsen JM. Endometritis in the mare: A diagnostic study comparing cultures from swab and biopsy. Theriogenology 2005;64(3):510-518. doi.org/10.1016/j.theriogenology.2005.05.034
- Petersen MR, Nielsen JM, Lehn-Jensen H, Bojesen AM. Streptococcus equi subspecies zooepidemicus resides deep in the chronically infected endometrium of mares. Clinical Theriogenology 2009;1(1):393-409. clinicaltheriogenology.net/index.php/CT/article/view/12588
- Skive B, Rohde M, Molinari G, Braunstein TH, Bojesen AM. Streptococcus equi subsp. zooepidemicus Invades and Survives in Epithelial Cells. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology 2017;7:465. doi.org/10.3389/fcimb.2017.00465
- Petersen MR, Skive B, Christoffersen M, Lu K, Nielsen JM, Troedsson MHT, Bojesen AM. Activation of persistent Streptococcus equi subspecies zooepidemicus in mares with subclinical endometritis. Veterinary Microbiology 2015;179(1-2):119-125. doi.org/10.1016/j.vetmic.2015.06.006, Volltext: researchgate.net
- Petersen MR, Bojesen AM. Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute, Kentucky: 64 Problemstuten. Clinical Theriogenology 2014;6(3):313-314 (Kongressbeitrag, ohne Placebogruppe).
Alle Studien nach Evidenzgrad: /studien.