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    Wie lässt sich die Problemstute in den Griff bekommen? Ein Praxisleitfaden zur Endometritis-Therapie

    Endometritis zählt nach wie vor zu den hartnäckigsten Ursachen eingeschränkter Fertilität bei Stuten. Obwohl das Krankheitsbild seit Jahrzehnten bekannt ist, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass die zugrundeliegenden Mechanismen — insbesondere bei älteren oder multiparen Stuten — weitaus komplexer sind als bisher angenommen.

    Wie also lässt sich die Problemstute in den Griff bekommen? Der Schlüssel liegt im Verständnis verborgener Infektionen, der damit verbundenen diagnostischen Herausforderungen und moderner, evidenzbasierter Behandlungsstrategien.

    Warum ist Endometritis so schwer zu diagnostizieren und zu behandeln?

    Herkömmliche Uterustupfer erfassen nur oberflächlich wachsende, aktive Bakterien. Die Forschung zeigt jedoch, dass der problematischste Erreger — Streptococcus equi subspecies zooepidemicus — bei Problemstuten selten an der Oberfläche zu finden ist.

    Mehrere Studien belegen, dass diese Bakterien:

    • sich tief im Endometrium ansiedeln können (300–500 µm unter der Oberfläche)
    • in Epithelzellen eindringen und dort überleben können Skive et al., 2017 – Frontiers in Cellular and Infection Microbiology
    • in einen ruhenden Zustand übergehen, der sie für herkömmliche Kulturen unsichtbar macht
    • in der Ruhephase eine extreme Antibiotikatoleranz aufweisen (bis zum 10.000-Fachen der MHK)

    Das bedeutet: Eine Stute kann als 'unauffällig' eingestuft werden, obwohl sie eine fertilitätshemmende Infektion in sich trägt.

    Welche Bakterien sind tatsächlich für die Mehrzahl der Endometritis-Fälle verantwortlich?

    Eine wegweisende deutsche Studie (Sieme et al., 2024) mit 28.887 Uterusproben liefert den bislang umfassendsten Datensatz.

    PubMed-Link: Sieme et al., 2024 – PubMed

    Zentrale Ergebnisse:

    • β-hämolysierende Streptokokken = 79,7 % aller pathogenen Isolate
    • E. coli = 4,3 %
    • E. coli var. haemolytica = 5,2 %
    • Klebsiella pneumoniae = 3,9 %
    • Pseudomonas aeruginosa = 2,0 %
    • Candida spp. = 2,9 %

    ➡️ Streptokokken dominieren die Uteruserkrankungen bei Stuten — weit mehr als gramnegative Bakterien.

    Warum übersehen Standardtupfer so häufig das eigentliche Problem?

    Weil Tupferproben lediglich die luminale Oberfläche des Uterus erfassen.

    Bei Problemstuten verstecken sich Streptokokken jedoch häufig:

    • tief in den Endometriumdrüsen
    • intrazellulär
    • in einem ruhenden, nicht kultivierbaren Zustand

    Dies zeigte sich eindrucksvoll in einem Vergleich:

    • Tupferproben wiesen die Infektion bei 27 % der Stuten nach
    • Biopsien wiesen die Infektion bei 73 % derselben Stuten nach

    Dieses diagnostische Defizit erklärt, warum so viele Stuten mit 'sauberen' Tupferergebnissen dennoch nicht tragend werden.

    Wie sollten Tierärzte die Diagnostik verbessern?

    Ein moderner diagnostischer Ansatz umfasst drei Schritte:

    1. Risikostuten identifizieren

    Dazu gehören Stuten:

    • über 8 Jahre
    • mit 3 oder mehr Fohlen
    • mit Endometritis-Vorgeschichte oder wiederholten Leerzyklen

    2. Uterine Clearance und Anatomie beurteilen

    Ultraschall, Flüssigkeits-Scoring und die Beurteilung der Perinealkonformation bleiben zentrale Werkzeuge.

    3. Aktivierungsbasierte Diagnostik bei Verdacht auf ruhende Infektionen einsetzen

    bActivate kann ruhende Streptokokken stimulieren und sie dadurch in der Kultur nachweisbar machen.

    Diese Methode basiert auf begutachteten Publikationen und wird in klinischen Einrichtungen mit Anbindung an Hagyard eingesetzt:

    🔗 Hagyard Pharmacy: Hagyard Pharmacy

    🔗 Dr. Kirstina Lu – Fachtierärztin für Theriogenologie: Dr. Kirstina Lu – Hagyard Equine Medical Institute

    Welche Behandlungsstrategie ist nach Infektionsnachweis am wirksamsten?

    Die Therapie muss erregerspezifisch sein und berücksichtigen, ob die Bakterien aktiv oder ruhend sind.

    Bei aktiven (kulturpositiven) Infektionen:

    • intrauterine Spülung
    • systemische und intrauterine Antibiose
    • Oxytocin-Protokolle

    Bei ruhenden oder tief im Gewebe liegenden Infektionen:

    Die Forschung zeigt die besten Ergebnisse, wenn auf die Aktivierung (z. B. mit bActivate) folgt:

    ✔ systemisches Penicillin ✔ intrauterines Penicillin ✔ uterine Spülung

    In einer Studie war die einzige Stute, die die Infektion nicht eliminieren konnte, ausschließlich intrauterin behandelt worden — ohne systemische Antibiose.

    Wie können Züchter Kosten senken und die Fruchtbarkeit verbessern?

    Wiederholte Leerzyklen sind kostspielig.

    Eine Kostenanalyse ergab:

    • £916 durchschnittlich pro Problemstute
    • £531 pro Zyklus

    Eine frühzeitige Diagnose ruhender Infektionen vermeidet verlorene Zyklen und verbessert die Planbarkeit der Zucht.

    Was ist die zentrale Botschaft für das Endometritis-Management?

    Endometritis ist in erster Linie eine diagnostische Herausforderung — nicht nur ein bakterielles Problem.

    Um die Problemstute wirklich in den Griff zu bekommen, müssen Tierärzte:

    ✔ Verstehen, wie sich Uteruspathogene verstecken und persistieren ✔ Die Grenzen herkömmlicher Diagnostik erkennen ✔ Aktivierungsbasierte Diagnostik bei Risikostuten einsetzen ✔ Gezielte, evidenzbasierte Therapie anwenden ✔ Die uterine Clearance und die gesamte Reproduktionsfunktion unterstützen

    Wenn die eigentliche Infektion erkannt wird, können die meisten Stuten zu normaler Fertilität zurückkehren.

    Selten ist die Stute das Problem — sondern unsere Fähigkeit zu erkennen, was sie daran hindert.

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