Stute resorbiert: Anzeichen, Ursachen, und was Sie beim nächsten Mal anders machen können
Ein Beitrag von Bojesen & Petersen Biotech. Wissenschaftliche Grundlage: Prof. Anders Miki Bojesen und Dr. Morten Rønn Petersen, Universität Kopenhagen.
Am Tag 15 nach der Bedeckung zeigt der Ultraschall eine Fruchtblase. Die Freude ist groß. Zwei Wochen später ist die Blase verschwunden, die Stute rosst wieder, und niemand hat etwas bemerkt. Das ist eine Resorption, und sie gehört zu den frustrierendsten Erfahrungen in der Zucht, weil sie so still verläuft.
Dieser Beitrag erklärt, woran Sie erkennen, dass eine Stute resorbiert hat, welche Ursachen infrage kommen, und warum sich der Blick bei wiederholten Resorptionen auf eine Ursache richten sollte, die der Standard-Tupfer meist nicht findet.
Stute resorbiert: Was heißt das?
Von einer Resorption (fachlich: früher embryonaler Verlust) spricht man, wenn die Trächtigkeit in den ersten Wochen endet und der Embryo vom Körper der Stute aufgenommen wird, statt abgestoßen zu werden. Es gibt keinen Abgang, keine Blutung, kein sichtbares Gewebe. Die Fruchtblase, die im Ultraschall da war, ist beim nächsten Termin einfach nicht mehr da.
Die Abgrenzung zum Abort ist eine Frage des Zeitpunkts. Etwa bis zum Tag 40 der Trächtigkeit spricht man von Embryo und Resorption, danach von Fetus und Abort. Ab dem Abort gibt es in der Regel etwas zu sehen: Fruchtwasser, Fruchthüllen, den Fetus selbst.
Anzeichen: Woran erkennt man, dass eine Stute resorbiert hat?
Das ehrliche Bild ist: Meist an gar nichts. Die Resorption verläuft ohne Fieber, ohne Ausfluss und ohne Verhaltensänderung. Erkannt wird sie fast immer erst durch den Tierarzt:
- Im Ultraschall ist die zuvor festgestellte Fruchtblase nicht mehr vorhanden, oder sie ist kleiner als sie in diesem Stadium sein müsste, unregelmäßig geformt oder ohne Embryo mit Herzschlag.
- Die Stute rosst wieder, obwohl sie als tragend galt. Das ist oft das erste Zeichen, das Züchter selbst bemerken.
- Flüssigkeit in der Gebärmutter im Ultraschall, vor oder nach dem Verlust. Sie ist kein Beweis für eine Resorption, aber ein Hinweis darauf, dass die Gebärmutter nicht in Ordnung ist.
Weil die Resorption so unauffällig ist, sind die Kontroll-Ultraschalls wichtig: die erste Untersuchung um Tag 14 bis 16 (auch wegen Zwillingen), dann eine Kontrolle um Tag 25 bis 30 mit Herzschlag, und eine weitere um Tag 40 bis 45. Fällt eine Stute zwischen zwei Terminen aus, weiß der Tierarzt zumindest, in welchem Fenster es passiert ist.
Ursachen: Warum resorbiert eine Stute?
Eine Resorption hat selten nur eine Ursache, und nicht jede lässt sich im Nachhinein klären. Die üblichen Verdächtigen, die Ihr Tierarzt durchgeht:
- Alter und Gebärmutterzustand. Mit den Jahren nimmt die Qualität der Gebärmutterschleimhaut ab, Bindegewebe und Zysten nehmen zu. Eine Biopsie zeigt, wie gut die Schleimhaut eine Trächtigkeit überhaupt noch tragen kann.
- Zwillinge. Zwei Fruchtblasen sind der häufigste Grund für einen frühen Verlust, den man mit einer rechtzeitigen Ultraschallkontrolle verhindern kann.
- Embryo-Qualität. Ein Teil der frühen Verluste geht auf den Embryo selbst zurück, etwa bei älteren Stuten oder älterem Sperma. Das lässt sich nicht behandeln, nur durch gutes Timing der Bedeckung verringern.
- Stress, Transport, Fieber, Medikamente im empfindlichen Fenster der ersten Wochen.
- Eine Entzündung oder Infektion der Gebärmutter (Endometritis). Sie ist die Ursache, die am ehesten übersehen wird, weil der Standard-Tupfer sie oft nicht findet. Und sie ist zugleich die Ursache, die sich am besten beheben lässt.
Die übersehene Ursache: Die Infektion, die der Tupfer nicht findet
Viele Stuten, die resorbieren, hatten vor der Bedeckung einen sauberen Tupfer. Das beruhigt, sagt aber weniger aus, als man denkt. Ein Uterustupfer nimmt nur eine Probe von der Oberfläche der Schleimhaut. In einer Vergleichsstudie fand der Standard-Tupfer nur 34 % der Gebärmutterinfektionen, die Biopsiekultur 82 % (Nielsen, Theriogenology 2005).
Der Grund ist die Lage der Bakterien. Bei chronisch infizierten Stuten wurde Streptococcus zooepidemicus in Herden 300 bis 500 Mikrometer unter dem Epithel nachgewiesen, nicht auf der Oberfläche, die der Tupfer erreicht (Petersen et al., Clinical Theriogenology 2009). Dort kann der Erreger in einen Ruhezustand übergehen, in dem er in der Kultur nicht wächst (Petersen et al., Veterinary Microbiology 2015). Die Stute gilt als sauber, wird bedeckt, nimmt vielleicht sogar auf, und die Gebärmutter ist trotzdem kein Ort, an dem ein Embryo bleiben kann.
Deshalb gilt: Eine Stute, die wiederholt resorbiert, obwohl der Tupfer sauber war, gehört zu den Problemstuten, bei denen tiefer gesucht werden sollte. Mehr dazu im Beitrag Tupferprobe bei der Stute: Was sie zeigt, was sie übersieht.
Was tun, wenn die Stute resorbiert hat?
Nach der ersten Resorption bei einer jungen Stute ohne Vorgeschichte ist Abwarten vertretbar; viele Stuten nehmen im nächsten Zyklus auf und tragen aus. Anders bei einer Stute, auf die einer dieser Punkte zutrifft:
- 10 Jahre oder älter
- 3 oder mehr Fohlen
- Frühere Gebärmutterentzündung oder Abort
- Schon einmal resorbiert oder mehrmals nicht aufgenommen, obwohl der Tupfer sauber war
- Antibiotika haben nicht geholfen
- Flüssigkeit in der Gebärmutter im Ultraschall
Dann sollte Ihr Tierarzt vor der nächsten Bedeckung abklären, was in der Gebärmutter los ist, und zwar mit Methoden, die tiefer reichen als der Tupfer:
- Spülprobe oder Biopsie statt Tupfer. Beide erfassen auch, was unter der Oberfläche sitzt. Die Biopsie zeigt zusätzlich, wie es um Bindegewebe und Entzündung steht.
- Aktivierung ruhender Bakterien vor der Kultur. Der Tierarzt bringt ein diagnostisches Nährmedium (bActivate) in die Gebärmutter ein, das ruhende Streptokokken weckt. 48 Stunden später wird eine zweite Kultur genommen. Jetzt wachsen die Bakterien, und der Befund ist eindeutig. bActivate ist kein Medikament: Es macht die Infektion sichtbar, behandelt wird danach gezielt nach Resistenztest.
- Behandeln, dann bedecken. Ist die Kultur positiv, wird gezielt behandelt und im folgenden Zyklus bedeckt. Ist sie negativ, ist eine ruhende Streptokokken-Infektion ausgeschlossen, und Ihr Tierarzt kann sich auf die anderen Ursachen konzentrieren. Auch das ist ein Ergebnis.
Wie sich das auszahlen kann, zeigt eine Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute in Kentucky: 64 Problemstuten, die mindestens drei Zyklen lang nicht aufgenommen hatten, wurden so untersucht, behandelt und bedeckt. 83 % wurden tragend. Die Studie hatte keine Placebogruppe, die Zahl beschreibt also den ganzen Ablauf aus Diagnose und tierärztlicher Behandlung (Clinical Theriogenology 2014). Zum Vergleich: Für Problemstuten dieser Art lag die historisch erwartete Abfohlrate bei 15 bis 50 %, gegenüber 80 bis 85 % in der Gesamtpopulation (Bosh et al., Equine Vet J 2009).
Häufige Fragen zur Resorption
Kann eine Stute nach einer Resorption im selben Jahr noch tragend werden? Ja, häufig. Nach einer frühen Resorption rosst die Stute meist innerhalb weniger Wochen wieder und kann erneut bedeckt werden. Bei wiederholten Resorptionen sollte vorher die Ursache abgeklärt werden, sonst wiederholt sich das Muster.
Merkt die Stute selbst etwas von der Resorption? In der Regel nicht. Es gibt weder Schmerzen noch sichtbare Anzeichen. Das erste, was Züchter bemerken, ist meist, dass die Stute wieder rosst.
Reicht ein sauberer Tupfer vor der nächsten Bedeckung? Bei einer Stute, die schon einmal resorbiert hat, nicht unbedingt. Der Standard-Tupfer findet nur etwa jede dritte Gebärmutterinfektion (Nielsen 2005). Bei Verdacht auf eine ruhende Infektion sind Spülprobe, Biopsie oder eine Aktivierung vor der Kultur die verlässlicheren Wege.
Kann ich die Aktivierung selbst durchführen? Nein. Aktivierung, Probenahme und Behandlung gehören in die Hand Ihres Tierarztes. Auf unserer Seite für Tierärzte stehen Protokoll, Evidenz und Bezugsquelle, die Sie weiterleiten können.
Quellen
- Nielsen JM. Endometritis in the mare: A diagnostic study comparing cultures from swab and biopsy. Theriogenology 2005;64(3):510-518. doi.org/10.1016/j.theriogenology.2005.05.034
- Petersen MR, Nielsen JM, Lehn-Jensen H, Bojesen AM. Streptococcus equi subspecies zooepidemicus resides deep in the chronically infected endometrium of mares. Clinical Theriogenology 2009;1(1):393-409. clinicaltheriogenology.net
- Petersen MR, Skive B, Christoffersen M, Lu K, Nielsen JM, Troedsson MHT, Bojesen AM. Activation of persistent Streptococcus equi subspecies zooepidemicus in mares with subclinical endometritis. Veterinary Microbiology 2015;179(1-2):119-125. doi.org/10.1016/j.vetmic.2015.06.006
- Petersen MR, Bojesen AM. Feldstudie am Hagyard Equine Medical Institute, 64 Problemstuten. Clinical Theriogenology 2014;6(3):313-314 (Konferenzbeitrag, keine Placebogruppe). therio.org (PDF)
- Bosh KA et al. Reproductive performance measures among Thoroughbred mares in central Kentucky. Equine Veterinary Journal 2009;41:883-888.
Mehr zum Erreger: Streptococcus zooepidemicus beim Pferd. Alle Studien nach Evidenzniveau: Studien.