Uterusspülung bei der Stute: wann und warum

Ein Beitrag von Bojesen & Petersen Biotech. Wissenschaftliche Grundlage: Prof. Anders Miki Bojesen und Dr. Morten Rønn Petersen, Universität Kopenhagen.

Eine Uterusspülung (Gebärmutterspülung, Lavage) ist eine Behandlung, die der Tierarzt durchführt: Über einen Katheter wird körperwarme Spülflüssigkeit in die Gebärmutter eingebracht und wieder abgelassen, bis die Flüssigkeit klar zurückkommt. Ziel ist, Flüssigkeit, Abbauprodukte und Bakterien aus der Gebärmutter zu entfernen. Dieser Beitrag erklärt, wann eine Spülung sinnvoll ist, welche Flüssigkeit verwendet wird, was eine Spülung löst, und was sie nicht löst.

Wann lässt der Tierarzt die Gebärmutter spülen?

Es gibt drei Situationen, in denen eine Uterusspülung üblich ist:

  • Flüssigkeit in der Gebärmutter nach der Bedeckung. Samen und Bedeckung lösen eine kurze Entzündungsreaktion aus. Eine gesunde Gebärmutter räumt sie innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Bei Stuten, die das nicht schaffen, bleibt Flüssigkeit stehen, und darin überlebt der Embryo nicht. Der Tierarzt spült dann kurz nach der Bedeckung, oft zusammen mit Oxytocin, damit sich die Gebärmutter zusammenzieht und entleert.
  • Flüssigkeit vor der Bedeckung. Flüssigkeit in der Gebärmutter während der Rosse deutet auf eine Entzündung oder auf eine Gebärmutter hin, die sich schlecht entleert. Eine Spülung vor der Bedeckung gibt dem Embryo eine saubere Umgebung.
  • Als Teil der Behandlung einer Gebärmutterentzündung. Bei einer bestätigten Infektion spült der Tierarzt, um Bakterien und Entzündungsprodukte zu entfernen, und behandelt danach gezielt mit Antibiotika nach Antibiogramm. Mehr zur Entzündung selbst im Beitrag Gebärmutterentzündung beim Pferd.

Welche Spülflüssigkeit wird verwendet?

Meist physiologische Kochsalzlösung oder Ringer-Laktat, körperwarm, in Portionen von einem halben bis einem Liter, wiederholt, bis die Flüssigkeit klar ist. Der Tierarzt beurteilt, was zurückkommt: trübe Flüssigkeit, Flocken oder Eiter sagen etwas über den Schweregrad. Antibiotika gehören nicht standardmäßig in die Spülflüssigkeit. Sie gehören dazu, wenn eine positive Kultur mit Antibiogramm vorliegt, nicht vorsorglich. In der deutschen Auswertung von 28.887 Endometriumproben waren die Streptokokken, die die meisten Gebärmutterinfektionen verursachen, zu 99,5 % penicillinempfindlich, aber 3,1 % aller positiven Kulturen waren bereits multiresistent (Köhne et al., 2024). Blindes Spülen mit Antibiotika macht diese letzte Zahl größer.

Was löst eine Uterusspülung?

Eine Spülung tut genau das, was der Name sagt: Sie entfernt, was lose in der Gebärmutterhöhle liegt. Flüssigkeit, Abbauprodukte, Samenreste und Bakterien, die frei in der Höhle schwimmen. Bei Flüssigkeit nach der Bedeckung reicht das oft, und viele Stuten werden nach einer rechtzeitigen Spülung ganz normal tragend.

Was löst eine Uterusspülung nicht?

Zwei Dinge, und die erklären, warum manche Stuten trotz wiederholter Spülungen leer bleiben:

  • Bakterien im Gewebe. Bei chronisch infizierten Stuten sitzt Streptococcus zooepidemicus in Herden 300 bis 500 Mikrometer unter dem Epithel der Gebärmutterschleimhaut (Petersen et al., Clinical Theriogenology 2009). Spülflüssigkeit kommt dort nicht hin.
  • Ruhende Bakterien. Ein Teil dieser Bakterien befindet sich in einem ruhenden Zustand, in dem er in der Kultur nicht wächst. Beim Tupfer wird er nicht gefunden, und also auch nicht behandelt. Nach Aktivierung mit einem Nährmedium war der Erreger bei 64 % der Stuten nachweisbar, nach Kochsalzlösung bei 8 % (Petersen et al., Veterinary Microbiology 2015).

Deshalb ist eine Spülung eine Behandlung von Symptomen und keine Diagnose. Wenn eine Stute nach dem Spülen wieder Flüssigkeit bildet oder leer bleibt, lautet die nächste Frage nicht "noch einmal spülen", sondern "welches Bakterium steckt dahinter, und wo sitzt es".

Wie verhält sich bActivate zu einer Spülung?

Beides geht über einen Katheter in die Gebärmutter, und dort endet die Gemeinsamkeit. bActivate ist ein diagnostisches Nährmedium: Der Tierarzt bringt es in die Gebärmutter ein und lässt es dort, damit ruhende Bakterien wieder zu wachsen beginnen. 48 Stunden später nimmt er einen ganz normalen Tupfer und kultiviert ihn wie gewohnt, mit Antibiogramm. Das Ergebnis ist eine Kultur, die zeigt, was wirklich in der Gebärmutter sitzt, auch das, was der erste Tupfer übersehen hat. bActivate ist kein Medikament und keine Behandlung; die Behandlung folgt danach, gezielt, nach Antibiogramm.

Bei 64 Problemstuten in Kentucky, mindestens drei Zyklen leer, waren 47 % (30 von 64) nach Aktivierung kulturpositiv, 83 % (53 von 64) wurden nach gezielter Behandlung und Bedeckung tragend, und 70 % der Stuten mit bekanntem Ausgang (32 von 46) brachten ein lebendes Fohlen. Die Studie hatte keine Placebogruppe (Petersen & Bojesen, Clinical Theriogenology 2014). Mehr im Beitrag 64 Problemstuten in Kentucky.

Welche Risiken hat eine Uterusspülung?

Bei sauberer Durchführung sind sie gering. Wichtig sind eine saubere Technik, körperwarme Flüssigkeit und nicht zu viel Druck. Wiederholtes Spülen ohne Diagnose hat ein anderes Risiko: Es kostet Zyklen. Jeder Zyklus, der für eine Spülung ohne Bedeckung draufgeht, ist ein Zyklus weniger in der Saison. Was Sie als Züchter tun können, wenn die Stute trotz Spülung nicht tragend wird, steht im Beitrag Stute wird nicht tragend: Was tun, und in welcher Reihenfolge; das Protokoll für den Tierarzt auf der Seite für Tierärzte.

Häufige Fragen

Wie oft darf eine Stute gespült werden? Das entscheidet der Tierarzt je Stute und je Zyklus. Nach der Bedeckung wird oft an ein oder zwei aufeinanderfolgenden Tagen gespült. Muss eine Stute in jedem Zyklus erneut gespült werden, ist das ein Grund, die Ursache zu suchen, nicht weiterzuspülen.

Kann ich die Gebärmutter selbst spülen? Nein. Eine Uterusspülung ist ein steriler Eingriff mit einem Katheter durch den Muttermund und gehört in die Hand des Tierarztes.

Gehören Antibiotika in die Spülflüssigkeit? Nur bei einer positiven Kultur mit Antibiogramm, und dann das Mittel, das daraus folgt. Nicht vorsorglich.

Ist bActivate eine Spülung? Nein. bActivate ist ein Nährmedium, das in der Gebärmutter bleibt, damit ruhende Bakterien wachsen und 48 Stunden später in einer normalen Kultur nachweisbar sind. Es ist ein diagnostischer Schritt, keine Behandlung.

Quellen

  • Köhne M, Hegger A, Tönissen A, Heusinger A, Hader C, Görgens A, Sieme H. Frequency of potentially pathogenic bacterial and fungal isolates among 28,887 endometrial samples from mares, with an emphasis on multi-drug resistant bacteria in Germany (2018-2022). J Equine Vet Sci 2024;133:105008. PMID 38237703. doi.org/10.1016/j.jevs.2024.105008
  • Petersen MR, Nielsen JM, Lehn-Jensen H, Bojesen AM. Streptococcus equi subspecies zooepidemicus resides deep in the chronically infected endometrium of mares. Clinical Theriogenology 2009;1(1):393-409. clinicaltheriogenology.net/index.php/CT/article/view/12588
  • Petersen MR, Skive B, Christoffersen M, Lu K, Nielsen JM, Troedsson MHT, Bojesen AM. Activation of persistent Streptococcus equi subspecies zooepidemicus in mares with subclinical endometritis. Veterinary Microbiology 2015;179(1-2):119-125. PMID 26123371. doi.org/10.1016/j.vetmic.2015.06.006
  • Petersen MR, Bojesen AM. Field study at Hagyard Equine Medical Institute, Kentucky: 64 problem mares. Clinical Theriogenology 2014;6(3):313-314 (congress abstract, no placebo group). cdn.ymaws.com/www.therio.org/resource/collection/DB0508BA-DE64-46F0-BE6B-2CE2A338D52C/2014_v3_027.pdf