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    Wie begegnen wir den Herausforderungen bei Problemstuten?

    8. Februar 202510 min Lesezeit

    In jedem Zuchtprogramm tritt früher oder später eine Problemstute auf — eine Stute, die trotz korrektem Timing, normaler Zyklik und optimaler Haltung nicht tragend wird. Diese Stuten sind selten wirklich infertil. Vielmehr liegen ihnen verborgene reproduktive Störungen zugrunde, die von herkömmlichen Diagnostikverfahren häufig übersehen werden.

    Wie können wir diese Stuten gezielt behandeln und ihre Fertilität wiederherstellen?

    Was kennzeichnet eine Problemstute?

    Eine Stute wird in der Regel als Problemstute eingestuft, wenn sie:

    • nach mehreren korrekt getimten Zyklen nicht konzipiert
    • unerklärliche frühe Trächtigkeitsverluste zeigt
    • Endometritis in der Vorgeschichte hat
    • älter als 8 Jahre ist oder mehr als 3 Fohlen hatte

    Diese etablierten Risikofaktoren sind in der klinischen Fachliteratur dokumentiert.

    Welche verborgenen Ursachen stecken am häufigsten hinter der Subfertilität?

    Die am häufigsten übersehene Ursache ist eine unentdeckte Uterusinfektion, insbesondere mit Streptococcus equi subspecies zooepidemicus.

    Dieser Erreger ist besonders problematisch, weil er:

    Das bedeutet: Eine Stute kann eine fertilitätsmindernde Infektion in sich tragen, die auf einem Standard-Uterustupfer nicht erscheint.

    Warum übersehen herkömmliche Uterustupfer so viele Infektionen?

    Weil Tupfer nur die Oberfläche der Gebärmutter erfassen. Ruhende, tief im Gewebe liegende oder intrazelluläre Bakterien erreichen diese Oberfläche nicht.

    Eine zentrale Studie zeigte:

    • Tupferproben wiesen Streptokokken in 27 % der Fälle nach
    • Biopsien wiesen die Infektion in 73 % derselben Stuten nach

    Diese diagnostische Lücke erklärt, warum Stuten klinisch als „unauffällig" gelten und trotzdem nicht tragend werden.

    Was sagen Großdaten über die relevantesten Uteruspathogene?

    Eine wegweisende deutsche Studie (Sieme et al., 2024) mit 28.887 Uterusproben ergab:

    • Beta-hämolysierende Streptokokken = 79,7 % der pathogenen Befunde
    • Gramnegative Erreger (E. coli, Klebsiella, Pseudomonas) waren deutlich seltener
    • Multiresistente Keime waren selten (3,1 %)
    • Penicillin blieb hochwirksam gegen Streptokokken

    PubMed: Sieme et al., 2024 – PubMed

    Dies bestätigt, dass Streptokokken — nicht E. coli — die führende Ursache von Uterusinfektionen bei der Stute sind.

    Wie lassen sich verborgene Infektionen zuverlässiger diagnostizieren?

    Moderne Diagnostik erfordert den Wechsel von der Oberflächenprobennahme zur funktionellen Diagnostik.

    Schritt 1: Risikoprofil der Stute bewerten

    Ältere, multipare oder wiederholt güste Stuten benötigen eine vertiefte Abklärung.

    Schritt 2: Uterine Clearance beurteilen

    Eine eingeschränkte Clearance prädisponiert für chronische Endometritis.

    Schritt 3: Aktivierungsbasierte Diagnostik einsetzen

    bActivate stimuliert ruhende Streptokokken und macht sie metabolisch aktiv, an der Oberfläche sichtbar und in der Standardkultur nachweisbar.

    Dieser Ansatz stützt sich auf die grundlegende Forschung von Prof. Anders Miki Bojesen (Universität Kopenhagen) und Dr. Morten Rønn Petersen.

    Wie sollte die Behandlung bei Problemstuten nach Infektionsnachweis gestaltet werden?

    Die Therapie muss erregerspezifisch und an das bakterielle Verhalten angepasst sein.

    Bei aktiven Infektionen (kulturpositiv):

    • systemische Antibiose
    • intrauterine Antibiose
    • uterine Spülung
    • Oxytocin-Therapie

    Bei ruhenden oder tief im Gewebe liegenden Infektionen:

    • Aktivierung (bActivate)
    • systemisches Penicillin
    • intrauterines Penicillin
    • Spülung zur Entfernung von Zelldetritus und Toxinen

    In klinischen Beobachtungen war die einzige Stute, die die Infektion nicht eliminieren konnte, ausschließlich intrauterin behandelt worden — ohne systemische Unterstützung.

    Die zentrale Botschaft

    Eine Problemstute ist kein Rätsel. Sie ist eine Stute, deren Infektion verborgen, ruhend, tief im Gewebe liegend oder intrazellulär ist — und deshalb für veraltete diagnostische Werkzeuge unsichtbar bleibt.

    Die Herausforderung ist nicht die Stute — sondern das verborgene Problem in ihrem Uterus zu erkennen.